Montag, 24. August 2009

Peking

Lang lang ist´s her, aber es wird ja nicht langweiliger dadurch.
Im Mai machten wir uns auf den Weg nach Peking. Ein verlängertes Wochenende
bot sich dafür geradezu an. Nach der Landung und dem Einchecken im Hostel
(auf den Matratzen muss schon Mao geschlafen haben), liehen wir uns Räder
aus und fuhren schnurstracks zur verbotenen Stadt. Als wir auf den
Fahrrädern durch Peking fuhren wurden wir regelmäßig angestarrt, als ob wir
vom Mond kämen.
Die verbotene Stadt ist die ehemalige Residenz des chinesischen Kaisers und
hat enorme Ausmaße. Da man nur in eine Richtung gehen darf hat man eine
Mindeststrecke von 3,5 km zu bewältigen, wenn man die Räder am anderen Ende
stehen hat so wie wir, sind es dann 7km. Weitere Infos:
http://de.wikipedia.org/wiki/Verbotene_Stadt Es ist kaum zu glauben, dass
solch ein riesiger Komplex einmal für nur einen Menschen gebaut wurde, wenn
natürlich auch noch weitere Menschen darin lebten, so hatte er doch nur
einen "richtigen" Bewohner, den Kaiser. Noch immer hängt am Eingang der
verbotenen Stadt ein Bildnis Maos, das jedes Jahr frisch gemalt wird.
Nachdem ich das Buch "Wilde Schwäne" gelesen habe, verstehe ich das
Festhalten an Mao nicht mehr.
Weiter ging es dann auf die gegenüberliegende Seite der verbotenen Stadt,
auf den Platz des Himmlischen Friedens, den größten Platz der Welt,
flankiert vom Haus des Volkes, des Nationaltheaters und Maos Mausoleum. Hier
fanden vor 20 Jahren die blutigen Übergriffe auf Demonstranten statt. Ein
anderer Name für den Platz des Himmlischen Friedens ist "Tiananmen-Platz".
Abends ging es dann zum Pekingentenessen, die genauso lecker war wie die,
die wir bisher in Shanghai verspeisten. Zum Nachtisch gab es dann noch auf
dem Nachtmarkt Seidenspinnerraupen und Schlange.
Am nächsten Morgen machten wir uns auf, um zusammen mit einer Kollegin und
ihrem Mann die chinesische Mauer zu erklimmen. Bei bestem Wetter wurden wir
von einem Santana (Urversion) abgeholt und zur Mauer nach Simatai gebracht.
Auf dem Weg dorthin war natürlich auch eine Pinkelpause angesagt, die wir
aber aufgrund unmenschlicher Geruchsbelästigung (und man ist hier einiges
gewöhnt!) wieder abbrachen.
Am Fuße der Mauer angekommen mussten wir uns noch ungefähr 100-200
Höhenmeter abmühen, um auch wirklich "zur Mauer" zu kommen. Aus Rücksicht
auf die beiden Schwangeren haben wir versucht davon so wenig wie möglich per
pedes zu erledigen, sondern sind mit Seilbahn und Zahnradbahn gefahren. Oben
angekommen erschloss sich uns dann die Faszination der Mauer: in beiden
Richtungen bis zum Horizont erstreckt sich die Mauer über die Gebirgszüge.
Ein wirklich beeindruckendes Bauwerk der Menschheitsgeschichte. Nach neusten
Erkenntnissen soll die Mauer 10000km lang sein, also ca. 10x die
Nord-Süd-Achse Deutschlands. Von der Mauer nach unten ging es dann mit
Karacho. An ein Stahlseil im Klettergurt gehängt rutschten wir ca. 1 km über
den See.
Abends ging es dann in ein Restaurant am See, das zwar nicht Preis/Leistung,
dafür einen schönen Blick hatte.
Da wir erst Sonntagabend flogen, fuhren wir am frühen morgen noch zu den
Spielstätten von Olympia 2008. Das "Vogelnest" und die Schwimmhalle sind
wirklich sehr sehenswert und zählen zu den architektonischen Glanzstücken!
Generell betrachtet ist Peking eine ganz andere Stadt als Shanghai. Zum
einen haben sie alle Bautätigkeiten, die Shanghai zur Zeit wegen der Expo
2010 hat, schon hinter sich, zum anderen fehlen die Hochhäuser, die das
Stadtbild von Shanghai sehr stark prägen. Die Stadt ist ruhiger und weniger
hektisch und man hat den Eindruck, dass sie trotz der olympischen Spiele
weniger international geprägt ist.
Eine interessante Begegnung hatten wir noch an unserem Abschiedstag: in
einem Park trafen wir einen ehemaligen Lehrer, der Schriftzeichen mit Wasser
auf den Boden schrieb. Die Kalligraphie ist in China eine große Kunst. Wir
wurden angesprochen und der Meister wollte von uns das lateinische Alphabet
aufgeschrieben haben und hat fleißig mit mir geübt :-).

Hier noch die Bilder:
http://www.majhost.com/cgi-bin/gallery.cgi?f=209808